Kevin Devine
1. August 2010
31. Juli 2010 | Amp, Münster
Es gibt Singer-Songwriter, die geben nette Konzerte. Und es gibt Kevin Devine, Musiker aus Brooklyn, New York. Der ehemalige Mircale of ‘86 Frontmann schafft es ohne Anstrengung innerhalb weniger Minuten das Publikum auf seine Seite zu ziehen. So auch am vergangenen Samstag (31 Juli 2010) im Amp.
Dabei helfen ihm nicht nur authentische Songzeilen, die den Anschein erwecken, einen Blick in die Gefühlswelt des schlaksigen Typen auf der Bühne erhaschen zu können, /// Your friends won’t wait, so don’t believe that shit, when they say they’ll wait. Trust me; your friends will not wait for you. (Cotton Crush) /// sonder auch seine undistanzierte, charmante Art. Denn wie er in seiner aktuellen Single bereits wissen lies „I could be with anyone. At least for a little while“.
Er erzählt Anekdoten aus seinem Leben oder lauscht denen der Gäste. Fragt explizit nach Songwünschen und erfüllt tatsächlich jeden Einzelnen. Scheut auch keine Diskussion darüber, warum er die Songs nicht unplugged spielen will („I know the Idea sounds great, but really - it sucks. I have tried it a couple of times. Trust me, it really doesnt sound good“).
Während er singt hat er die Augen geschlossen. Er verliert sich in seiner Musik, durchlebt Besungenes augenscheinlich nochmal. Hin und wieder huscht ihm ein Lächeln über die Lippen. Die textsicheren Konzertbesucher im Amp machen es ihm nach. Halten ihre Augen geschlossen und tauchen ab in ihre eigenen Erinnerungen. Gäste die durch flüsternde Unterhaltungen die Stimmung ruinieren könnten, werden mit vielsagenden Blicken abgestraft.
Die Songtexte haucht Devine in einem Moment ins Mikrofon, um sie dann im nächsten Song wieder mit weit aufgerissenem Mund in die Nacht zu schreien. Dabei werden die alten Lieder genauso intensiv interpretiert wie die Stücke vom aktuellen Longplayer „Brother’s Blood“.
Am Ende des Abends sind alle weiblichen Konzertbesucher in den schüchternen Mann aus New York verliebt – und ihre männlichen Begleiter können es verstehen.
Daniela Herrmann




