Haldern Pop 2010 - Festivalbericht
25. August 2010
„Ja, Haldern! Das ist gut da!“
Sagen mir alle. Und während man durch die Plattenläden, das Internet und Musikzeitschriften streift, scheint sich das auch zu bestätigen. Ein Festival fernab von Rockkommerz und Prollerei aber mit Feenstaub, Seifenblasen, Milch und Honig. Das gelobte Land also für Indie-Saitenstreichler. Ein Bekannter von mir hat es mal so ausgedrückt:
„Fahr da nicht hin! Du fühlst dich ertappt weil alle die gleiche Frisur am Kopf haben und enge Bandshirts tragen.“
Wem soll ich glauben? Am besten mir selber! Ich bin ja schließlich aufgeklärt und postmodern. Zu 3 Männern und 2 Frauen in einen Kleinwagen und ab aufs Land! Zelt aufbauen, Bier auf, Grill an. Gut! Nachbarn hören Radiohead statt Ärzte? Sicher ein Versehen. Ein paar Leute legen dann doch Rage against the Machine auf. Aber Wenige. Da haben wir ja Glück! Abends schau ich mal wie lang die Schlange ist um als Erster das Gelände betreten zu dürfen um die ersten Bands im Spiegelzelt zu sehen um schon mal Teil des Festivals zu sein und um Notfalls eine Meinung zu den Acts zu haben.

Das Spiegelzelt
Die Schlange kommt einer Völkerwanderung gleich und Essensmarken bzw. „Poptaler“ gibt’s auch erst nach dreißigminütiger Wartezeit. Cymbals eat Guitars schon verpasst. Was tun? Popbier in unserem Popigluzelt und schauen, dass der Tag zu Ende geht.

Haldern Pop Sonnenuntergang
Freitag spielen erstmal Interpol im Ghettoblaster der Nachbarn auf dem Weg zum Kaffestand. Gute Laune also! Sonne auch! Bis wir uns in die Schlange zu den anderen Seitenscheitel einreihen und uns tatsächlich ertappt fühlen vergehen noch einige Stunden. Um 20 Uhr werden dann auch schon die ersten Bands angeschaut. Delphic gegen Post War Years. Nur einer kann gewinnen und das ist in diesem Fall, die letzere der beiden Truppen. Komplizierter Zappelrock mit zwei Bässen und euphorischem Drummer schlägt stumpfe Rave Hits. Die Nachkriegskinder werden uns in Erinnerung bleiben. Espen and the Witch scheinen sich erst letzte Woche gegründet zu haben so wenig Ahnung haben sie von dem, was sie da anstellen:
Scheußlich! Bier auf! Müdigkeit an!
Auf geht’s zum wilden Folk/Gipsy Abend auf der Hauptbühne. Erstmal gibt‘s Mumford und Familie.

Mumford & Sons
Ein Trinkspiel wird entwickelt: Bei jedem aus voller Kehle gesungenen „Heart“ oder „Soul“ muss unsere gesamte Bande trinken. Der 0,4 Bierbecher übersteht keine zwei Songs. Gute Band eigentlich, obwohl ich sie hasse und zwar mit Herz und Seele! Im Publikum sieht man immer wieder Kinder mit Ohrschützern herumlaufen. „Die Festivalgäste werden auch immer jünger oder sind grade erst aus ihren Müttern herausgeschlüpft die sie mitgebracht haben!“ denke ich mir. Ich bin betrunken! Die Vorfreude auf Beirut wächst.
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Beirut
Ich werde aber enttäuscht von einer lahmen Blaskapelle, bin müde, gehe schlafen. Junip waren wohl gut, sagt man mir am Samstagmorgen. |
| Es gibt ein paar Interviews zu führen an diesem letzten Halderntag. The Black Atlantic sind sympathisch. The Black Atlantic
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Die beiden Brüder von The National (Schlagzeug / Gitarre) sogar noch mehr.

Die The National Brüder
Portugal The Man sind live wie immer wahnsinnig gut und der Bassist verrenkt seinen Rücken so sehr, dass jedem Chiropraktiker schlecht wird.
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Sophie Hunger
Sophie Hunger ist zwar stimmgewaltig aber fad. |
| Efterklang
Der Platz vor der Bühne füllt sich auch erst wieder bei Efterklang. Zu Recht! Eine technisch versierte Band in komisch wirkenden kurzen Hosen, mit fiesen Bärten und Grinsen im Gesicht.
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Das Publikum liebt sie und sie lieben uns zurück! Yeasayer feiern ein 80s Comeback wie man es sich nicht schlimmer herbei-alpträumen kann. Die Gesten sind groß, die Outfits hip und Zweidrittel der Musik scheinen vom Macbook zu kommen — oder aus Plastik-Handclaps zu bestehen.
Der holländische Mittsechsziger kommt wie zu jedem Konzert auf die Bühne und erklärt dem Publikum, dass dies das 27. Haldern ist und jetzt The National spielen.
Netter Typ, wenn auch nicht ganz richtig im Kopf. Das kann man auch von Sänger Matt sagen, der unter Spannung zu stehen scheint und das Mikro etwa vier mal gen Boden schleudert. Ungefähr sechs Songs lang kämpfen die Amerikaner mit dem Sound und vielen Pannen, gewinnen schlussendlich aber doch. Der Sonntag wird kurz: Das Wetter wird pünktlich zum Ende des Festivals gemein und verscheucht uns früh vom Gelände.
Nun glaube ich! Aber was? Das ich ein nettes, nicht zu großes Festival miterlebt habe? Ja, das tue ich! Das die Nachbarn ganz okay waren und ich viele gute Bands gesehen habe? Auch dessen bin ich mir sicher.
Waren denn alle Bands super, Dave? Nein, Hal, nicht alle. Manche waren auch nur jung und hatten schöne Schminke im Gesicht. Dave, diese Unterhaltung hat keinen Zweck mehr. Sie führt zu nichts! Leb wohl!
Sebastian Witte
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